Das Hofhuhn schreibt wieder!

Nach fast vier Jahren ohne Blogaktivität hat es mich wieder in den Fingern gejuckt: mein neues Blogprojekt „Im Norden nichts Neues“ findet ihr mit Texten und Podcast unter diesem Link!
Nach fast vier Jahren ohne Blogaktivität hat es mich wieder in den Fingern gejuckt: mein neues Blogprojekt „Im Norden nichts Neues“ findet ihr mit Texten und Podcast unter diesem Link!
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram anEin Beitrag geteilt von Ingmar Jaschok | Bornwiesenhof (@hofhuhn) am
Auf das Bild hin kamen ein paar Fragen, was es mit dem Test auf sich hat, wie man ihn lernen kann und was es sonst noch an „Handwerkszeug“ für die Zuchttierauswahl braucht.
Ich kann die Frage verstehen. Theorie ist trocken und, wer sich mit Hühnern auseinandersetzt, beschäftigt sich lieber damit, welche Rassen in Frage kommen und welche Eierfarbe sie haben. Vielleicht auch noch wie viele Eier sie legen und welche Farbschläge es gibt. Danach geht es meistens eher auf die Tiersuche oder an den Stallbau, als an Zuchttheorie.
Ich habe das Thema selbst lange etwas umschifft. Als ich mich dann in die Thematik einlesen wollte, musste ich feststellen, dass es kein Theoretisches Material zur Hühnerzucht auf Leistungsmerkmale gibt. Für die Ausstellungszucht auf Farbmerkmale gibt es jede Menge; dafür, wie ich auf Tiere selektiere die eine gute Legeleistung zeigen und/oder auch toll Fleisch ansetzen gibt es nichts. Zumindest nicht in den letzten Jahrzehnten. Ich habe meinen Bruder in die Unibibliothek der CAU in Kiel gejagt und selbst im geschlossenen Archiv gab es kein Material.
Nach langer Suche habe ich ein dreiteiliges Handbuch des Livestock Conservancy entdeckt, das mir sämtliche Fragen beantwortet hat. Ich habe mit der Vereinigung Kontakt aufgenommen und die Erlaubnis erhalten, es auf deutsch zu übersetzen und zu veröffentlichen. Allerdings habe ich noch keine Reinschrift anfertigen können und weiß auch nicht wann ich es schaffe. Wer also des Englischen mächtig ist, kann aus den hier verlinkten Dateien alle nötigen Infos ziehen.
Teil 1: Selektion auf Fleischeigenschaften
Teil 2: Selektion auf Legeeigenschaften
Teil 3: Aufbau und Führung eines gesunden Zuchtbestandes
Auch hier kann ich nur empfehlen, dem vielleicht scheinbar trockensten Teil die größte Aufmerksamkeit zu widmen; Teil 3. Dort wird für die ersten fünf Jahre vorgestellt, ab wann welche Faktoren bei der Zuchttierauswahl berücksichtigt werden sollten und wann halt eben auch noch nicht. Im Grunde ist es die komplette Anleitung für ein eigenes Hofhuhn-Projekt. Diese Texte sollte jeder gelesen haben, bevor sich für eine Rasse entschieden wird. Hat man sie verinnerlicht, ist man im Grunde gewappnet, ein solches Projekt mit jeder zur Verfügung stehenden Rasse anzugehen: kaum einer der Vertreter der Rasse hat die Eigenschaften, die ihnen auf Papier zugeschrieben werden. Allesamt tragen sie aber das Potenzial dafür in sich. Diese Texte helfen dabei, sie herauszuarbeiten.
In den Texten ist ebenfalls der Fingertest beschrieben. Wer diesen aber einmal vorgeführt sehen möchte, dem empfehle ich dieses Video. Am etwa Minute 4:45 wird der Fingertest für „Egg laying Capacity“ vorgeführt:
Wer ein gutes Tool für die Bestandsbonitierung sucht, dem empfehle ich einen alten Beitrag von mir zum Thema Legehennenmanagement.
Die Übersetzung der englischen Texte ist noch auf der Warteliste. Sie sind sehr komplex, ich kann gut verstehen, wenn es sehr mühsam ist, mit ihnen zu arbeiten. Ich bilde mir ein, Englisch gut zu verstehen, trotzdem war es für mich noch einmal eine ganz andere Geschichte, als ich eine erste Rohfassung in Deutsch fertig hatte. Diese kann ich leider nicht zugänglich machen, weil der Deal mit dem Livestock Conservancy ist, dass ich ihnen die Reinschrift zum Gegenlesen schicke, bevor ich sie veröffentliche. Diese habe ich noch nicht fertig, deswegen heißt es jetzt erstmal Englisch üben..
Meine Beweggründe für diesen Gastbeitrag habe ich in diesem Beitrag erläutert. Ich bedanke mich sehr bei Sophia Hoffmann dafür, dass sie mir erlaubt hat, dieses Kapitel aus ihrem Buch „Zero Waste Küche“ zu nutzen. Das Titelfoto ist von Anabell Sievert.
Haltbarkeit und Lagerung:
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ab Legetag beträgt in Deutschland 28 Tage. Da die Schale als natürlicher Schutz vor Bakterien und Keimen dient, können Eier ungekühlt gelagert werden.
Nach mehr als 20 Tagen sollten sie jedoch nur noch gekocht/ gebraten oder verbacken verzehrt werden. Für Gerichte aus rohen Eiern wie Mayonnaise/Tiramisu sollte man immer ganz frische Eier verwenden. Ob ein Ei noch gut ist, lässt sich nach Aufschlagen am Geruch erkennen: Im Gegensatz zum neutralen Geruch frischer Eier riechen alte Eier säuerlich und faulig.
Hühner:
Obwohl auch Wachtel- , Enten-, Straußen-, Fisch- und sogar Ameiseneier als Lebensmittel zum Einsatz kommen, ist doch das Hühnerei das am Häufigsten verspeiste.
Wildhühner legen zur Fortpflanzung etwa 30 Eier pro Jahr. Unbefruchtete Eier verspeisen sie selbst um den in ihrem Körper entstandenen Kalzium-Verlust auszugleichen. Sogenannte, für die Tierindustrie gezüchtete Hybridhennen legen über 300 Eier pro Jahr und werden bei Abnahme der Legeleistung nach 18 bis 24 Monaten Lebenszeit geschlachtet und zu Tiernahrung und Suppe verarbeitet. Hühner sind übrigens die am nächsten noch lebenden Verwandten des Tyrannosaurus Rex.
Eintagsküken:
In Deutschland werden jährlich 50 Millionen männliche Küken getötet, da sie für Fleischproduktion nutzlos sind. Zusammen mit den Legehennen in der Eierproduktion, die durch ihre Haltungsbedingungen oder durch Schlachtung sterben kommt man so auf eine jährliche Summe 100 Millionen Hühnern. Die Annahme, dass Vegetarismus Tierleid vermeidet, ist somit leider falsch.
Vegetarische Fleischalternativen:
Immer häufiger werden mit Eiklar hergestellte Fleischalternativen angeboten, die vielen Menschen suggerieren tierfreundlicher zu konsumieren. Diese Rechnung geht leider nicht auf.
Ein geschlachtetes Schwein liefert ca. 80 kg Fleisch. Das Eiklar eines Hühnereis wiegt etwa 40g.
Für 80 kg Eiklar werden 2000 Eier benötigt, das entspricht der Lebens-Legeleistung von mehr als 6 Hennen, die am Ende auch geschlachtet werden.
Statt Ei:
Viele Produkte und Rezepturen können ohne Qualitäts- und Geschmacksverlust Ei-frei hergestellt werden. Dies spart nicht nur Ressourcen sondern ist auch gesünder.
Zudem bestünde bei Roh-Ei-Verwendung keine Salmonellen-Gefahr.
Immer mehr Unternehmen stellen solche Produkte her, aber auch in der eigenen Küche kann man durch einfache Tricks den Ei-Verbrauch reduzieren:
Einfach Weglassen:
Backen:
Statt einem Ei verwenden:
Produkte wie Sojamehl, Stärke und Leinsamen haben zudem den Vorteil längerer Haltbarkeit.
Apfelmus kann aus angeschlagenen Äpfel gewonnen werden.
Mayonnaise:
Zur Bindung von Soßen und Desserts:
1 g auf 250 ml warme Flüssigkeit
1 g auf 500 ml kalte Masse z.B. Pudding, der warm angerührt und dann abgekühlt wird
Zur Bindung von Bratlingen/ Knödeln:
Zum „Kleben“ von Panade:
Für Ei-Geschmack in Aufstrichen, Salaten, Soßen:
Als Rührei-Ersatz:
Fazit:
Die Menge macht das Gift. Weniger das gelegentliche Frühstücksei, sondern vor allem die geradezu verschwenderische Verarbeitung von Eiern in unzähligen Produkten ist so aus dem Ruder gelaufen, dass die gesundheitlichen und ökologischen Folgen für Mensch und Umwelt mehr als bedenklich sind. Von ethischen Aspekten der Tierhaltung ganz abgesehen.
Ich rate zu Reduktion und bewussten Kaufentscheidungen:
Sophia Hoffmann
Ich habe versucht, den Artikel möglichst wortgetreu zu übersetzen und persönliche Anmerkungen oder Ergänzungen auf das Mindestmaß zu beschränken. Trotzdem handelt es sich um einen Text für Menschen, die sich bereits mit der Arbeit Martin Silverudds beschäftigt haben. Ein kleines bisschen Hintergrund dazu findet ihr in einem früheren Blogartikel, hier. Ich bitte alle interessierten Leser*innen darum mir bei der Vervollständigung zu helfen: alle möglicherweise auftretenden Fragen (beispielsweise zur Vererbung der grünen Eierschalenfarbe, zu rezessiven Farben oder der Biografie Silverudds hier als Kommentar unter dem Post zu schreiben, so dass ich sie nach und nach aufarbeiten kann.
von Andreas Marmolin und Ingemar Dreborg („Kulturhönsbladet 2/2019), Übersetzung aus dem Schwedischen, mit freundlicher Genehmigung, Ingmar Jaschok, Hofhuhn.de (Veröffentlichung, auch teilweise, nur mit Quellenangabe).
Wir haben schon lange drüber nachgedacht, einen größeren Artikel über Silverudds Blaue zu schreiben. Es gibt viel zu erklären. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass wir als Vereinigung mit verschiedenen Linien arbeiten. Wir werden hier versuchen etwas über die Ursprünge zu schreiben, die dazu geführt haben wie wir das Stammbuch heute führen. Es werden aber auch ein paar Gedanken zur Zucht einfließen.
Die Rasse Silverudds Blaue hatte im Laufe der Zeit verschiedene Namen. Als Martin Silverudd verstarb, war die Erzüchtung noch nicht abgeschlossen. Das wissen wir. Eine wichtige Quelle sind die Aufzeichnungen, die du vielleicht früher schon mal gesehen hast, wenn du schon länger Mitglied der Kulturhönsföreningen bist. Dort zeichnete er die Erzüchtung seiner Rassen mit der Jahreszahl der Vollendung und ihrem genetischen Code auf. 1986, im selben Jahr als Silverudd verstarb, vermerkte er, dass die Rasse Isbar so weit sei (bitte keine Verwirrung mit „Schwedischen Isbar“, wie unsere Silverudds Blaue fälschlicherweise gerne genannt werden). Von der Rasse, die er in den Jahren zuvor als SGRÖ („Svensk Grönäggsvärpare“, Schwedische Grünleger) angeboten hatte, gibt es keine Aufzeichnungen in seinen Notizen. Über seine Arbeitsweise wissen wir, dass die Rassen im Laufe der Erzüchtung mehrfach umbenannt wurden. „Rixon“ wurde im Jahre der Königshochzeit „Queen Silvia“. Der Vorschlag, die Hühner der Rasse, die in den Jahren zuvor in Schweden unter dem Namen Isbar Blå gehandelt wurden, in Silverudds Blå umzubenennen, um die Verwechslung mit den Isbar ein für alle mal zu beenden, kam von Bengt Mattson auf der ersten Stammbuchkonferenz vor vier Jahren, was von den Teilnehmern als geniale Idee gesehen wurde. Der Rest ist Geschichte.
Außerhalb des inneren Kernes der Kulturhönsföreningen gibt es viele, die Silverudds Blaue (SB) nicht gerne bei ihrem neuen Namen nennen. Das wichtigste ist, dass wir, die wir die Verantwortung für die Zukunftssicherung der Rasse übernehmen, sicher sind, unter welcher Bezeichnung wir mit ihr weiterarbeiten werden. Ob jemand drauf besteht, sie Isbar statt Silverudds Blå zu nennen ist weniger wichtig.
Es gibt drei Farben, die auf rezessiven Genen verankert sind. Das ist rezessivweiß, porzellanfarben und wildfarben. Tauchen Tiere mit diesen Farben in einem Bestand auf, sollte nicht mit ihnen in der Zucht weitergearbeitet werden. Weiß man, welcher Hahn der Vater solcher Tiere ist, sollte auch dieser aus der Zuchtarbeit genommen werden. Das geschieht um eine weitere Verbreitung der fehlfarbenen Erbanlagen zu unterbinden. Wenn man mehr Platz (und Zeit) hat, kann man testweise eine der fehlfarbenen Hennen behalten und sie mit anderen Zuchthähnen auf dessen rezessive Erbanlagen zu testen. Wenn aus der Verpaarung, von mindestens fünf erbrüteten Küken, eines die Fehlfarbe der Mutter aufweist, hat auch der getestete Hahn die unerwünschten rezessiven Erbanlagen und sollte aus der Zuchtarbeit genommen werden.
Dasselbe gilt für den Fall, dass eine Henne ein braunes Ei legt. Weiß man, welche Elterntiere zur braun legenden Henne gehören, sollten auch diese aus der Zuchtarbeit genommen werden (braun verhält sich in der Vererbung gegenüber grün rezessiv, legt also eine Henne aus einem grünen Ei selbst braun, so müssen beide Elterntiere heterozygot (=mischerbig) vererbende Braunleger sein). Nur auf diese strikte Art und Weise kann man vom immer wieder auftretenden Problem braun legender SB weg kommen. Zumindest bis die Vereinigung ein Institut gefunden hat, das einen DNA-Test auf das O-Gen, das die dominante Anlage für grüne Eierschale trägt, die die SB also zu Grünlegern macht, anbietet. Bis ein solches Institut gefunden ist, ist es eine gute Möglichkeit, Zuchthähne testweise mit braun oder weiß legenden Hennen anderer Rassen zu verpaaren. Nach Begutachtung der Eierschalenfarbe von mindestens fünf erbrüteten Töchtern der Verpaarung kann man mit recht hoher statistischer Wahrscheinlichkeit feststellen, ob der Vater eventuell eine rezessive Anlage für braune Eierschalenfarbe trägt und damit ungeeignet für die Weiterzucht wäre.
Über die Zeit haben wir mit dem Stammbuch mehrere SB-Linien von Züchter*innen gefunden, die die Rasse während der Zeit zwischen Silverudds Tod und dem Einrichten des Stammbuches bewahrt haben. Außerhalb des Stammbuches gibt es verschiedene Züchter die von ihrer Linie behaupten die einzig reinrassige zu sein. Wir versuchen grob den Hintergrund darzustellen, den wir zu den verschiedenen Linien recherchieren konnten, die wir als reinrassig ansehen. Das Gen für rezessivweiß, wildfarben und porzellanfarben könnte durch Einkreuzung in die Rasse gekommen sein. Gut vorstellbar ist aber auch, dass sie ihren Ursprung in der Rasse Silverudds Safir haben, die M.Silverudd aus Cream Legbar und weißen Leghorn erzüchtet hat. Rezessive Gene haben die Eigenschaft, dass sie lange da sein können ohne sich zu zeigen.
Diese stammt zum größten Teil von Börje Küller bei Norrtälje. Börje arbeitete zu dessen Lebzeiten mit Martin Silverudds zusammen und verbreitete einige der Silverudds-Rassen. Börje hatte einigen Einfluss auf viele verschiedene Rassen. Vermutlich hat Johan auch von Anita Sundblad und Bengt Mattson Tiere geholt. Diese Linien sind im Stammbuch nicht besonders verbreitet. Wir wissen, dass in diesen Linien auch reinweiße Tiere entstehen können. Widing hat Tiere an Lina Laurin und Sonnarps verkauft. Diese sind wahrscheinlich eng mit Bengt Mattsons verwandt. Mattson hat seit seiner Zusammenarbeit mit Silverudd in den Achzigern verschiedene von Martins Rassen gehalten. Er fand einen SB-Bestand in Värmland von wo er Zuchtmaterial mitnahm, das den Grundstock für seine und Anita Sundblads Zucht bildete. Bengt kaufte später Tiere aus anderen Beständen. Unter anderem von Börje Küller. Die vermländische Zucht, aus der Bengt seine Tiere bekam, zeichnete sich dadurch aus, dass die Hähne viel Gold und Silber im Kragen und Sattel trugen und grüne Eier legten.
Anita hat im Laufe der Jahre viel mit Bengt Sundblad zusammengearbeitet und den größten Teil ihrer Tiere von ihm bekommen. Sie hat mehrmals Hähne von Widing bekommen, mit denen sie aber sehr unzufrieden war, weswegen in ihrer Zucht wahrscheinlich wenig von diesen Zukäufen übrig ist.
Bo Karlsson kaufte vor vielen Jahren SB von einem alten Züchter – Rune Carlsson – der seine Tiere von Bengt Mattsson gekauft hatte. Unter den Tieren gab es sowohl porzellanfarbige als auch weiße. Sein Bestand zeichnete sich durch besonders hohe Legeleistung aus. Inzwischen hat Bosse sehr stark selektiert und einen Hahn von Anita Sundblad mit hineingenommen. Du hast aus dieser Linie sicherlich auf der Website der Kulturhönsföreningen den stattlichen blauen Hahn gesehen, der auch in vielen Facebookeinträgen genutzt wurde.
Vor ein paar Jahren hatten wir Kontakt mit einer Frau aus Västerbotten. Sie hatte ihre Tiere von einer Frau aus der Gegend bekommen, die ihre Tiere seit den frühen Neunzigern isoliert gehalten hatte. Es zeigte sich, dass diese Tiere von Bengt Mattson gekauft wurden. Nach einigen Nachforschungen kamen wir mit Bengt zusammen zu dem Schluss, dass die Tiere höchstwahrscheinlich von Bengts ersten SB abstammten. Besonders interessant war, dass wir Hinweise darauf bekamen, dass in dieser Linie zu keinem Zeitpunkt Tiere mit nichtgrüner Eierfarbe aufgetaucht sind. Generation um Generation. Das deutet darauf hin, dass die Västerbottenlinie homozygot für die grüne Eierschalenfarbe ist, eine besonders wertvolle Linie also. In der Kulturhönsföreningen ist die Västerbottenlinie unterrepräsentiert. Dass sie für die Zucht einen besonderen Wert hat ist wahrscheinlich selbstverständlich. Falls Du Tiere aus dieser Linie hast, kontaktiere bitte Andreas, wir sind sehr daran interessiert die Linie zu vermehren.
Diese Linie konnte auf eine Pernilla in Hjortkvarn zurückverfolgt werden und die Recherche zeigte, dass ihre Tiere über einen Zwischenhändler direkt von Silverudd kamen. Reste der Genetik ihrer Linie vermutete man zunächst nur teilweise eingekreuzt in einem anderen Bestand. Zufällig wurde allerdings ein weiterer, isolierter, Bestand entdeckt, bei dem allerdings der Hahn kurz zuvor gestorben war; drei Hennen gab es noch. Diese drei Hennen wurden mit einem Sohn einer dieser Hennen verpaart und die Linie so zumindest in Teilen gerettet. In dieser Linie kann man gehäuftes Auftreten rezessiven Weißes erkennen.
Christer Andersson kaufte seine Tiere etwa 2005 von einer älteren Dame in den Wäldern vor Vetlanda. Ihren Angaben zufolge hatte sie die Tiere seit den Achzigern. Leider fehlen weitere Angaben zur Rückverfolgbarkeit, aber das Gremium hat mit Blick auf die Nähe zu Silverudds Wirkungsraum entschieden, die Linie anzuerkennen. In dieser Linie sind nie Braunleger vorgekommen.
Åsa Larsson hat ihre Hühner von ihrem Großvater bekommen, welche dieser vor langer Zeit von einem Pastor in Småland gekauft hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Pastor Martin Silverudd gewesen ist, ist recht groß. Die Tiere sind, sowohl was die Eier als auch was die Färbung der Tiere angeht, teilweise fehlerbehaftet. Es gibt aber einen Bestand, der sie nach wie vor rein hält, in andere Bestände wurden sie teilweise eingepaart. Bis die Auslese der fehlfarbig vererbenden Tiere abgeschlossen ist, werden aus diesen Beständen keine Tiere verkauft.
Meine Linien: in Zusammenarbeit mit Andreas, der diesen Artikel gemeinsam mit Ingemar Dreborg, dem Vorsitzenden der Svenska Kulturhönsföreningen und Hauptverantwortlichen für die Mitgliederzeitschrift verfasst hat und bei der SKF für die Koordination der SB-Zucht verantwortlich ist, habe ich in den letzten anderthalb Jahren Bruteier aus bislang zehn Beständen mit Genetik aller sieben anerkannten Linien importiert. Seit kurzem ist meine Zucht der erste Besatz außerhalb Schwedens, der als Teil der Kulturhönsföreningen anerkannt ist. Zuchttiere oder Bruteier gebe ich aktuell nicht ab. Was ich habe, brauche ich für die eigene Zucht und die Abgabe zweitklassiger Tiere zur Weiterzucht andernorts ist nicht im Sinne der Rasse. Um u.a. auch meine Zuchtarbeit zu fördern, könnt ihr hier ein Crowdfunding für mein Hofhuhn-Projekt unterstützen. Je mehr Menschen teilnehmen, desto schneller und besser bin ich in der Lage auch Zuchtmaterial anzubieten.
Was sind aber die Ideen, die für eine Landwirtschaft der Zukunft existieren? Was stellen sich die Leute vor, wenn sie überlegen wo es hingehen soll. Richtungen wird es viele geben: das ist das Schöne an der Demokratie. Ich habe in den letzten anderthalb Jahren einiges von meinen Vorstellungen zu einer zukünftigen Landwirtschaft ins Internet gepumpt, deswegen halte ich mich im Juli damit ein bisschen zurück und lasse andere zu Wort kommen. Mitte April habe ich einen Aufruf gestartet, dem viele Gastautor*innen gefolgt sind. Einige über meine Social-Media-Kanäle, ein paar Menschen habe ich auch gezielt angesprochen. Ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Ansätzen. Sie alle stellen sich ein paar Zeilen die ich als allgemeine Fragestellung geschrieben habe.
Konstruktivität ist das Wichtigste, und Respekt vor dem Leser. Das ist das, was ich mir selbst für den Blog als Aufgabe gestellt habe. Eine Antwort auf die Frage, wie die Welternährung gestemmt werden soll (Ernährungssicherheit), was Tierschutz-, Klima- und Umweltfragen und die Lebensmittelsicherheit betrifft und wie auch die Leute mit ins Boot genommen werden könnten die a.) kein Interesse an aufwändigem Einkaufen/Kochen haben oder es b.) finanziell oder auch intellektuell nicht hinbekämen. Praxistauglichkeit also.
Über die folgenden Menschen freue ich mich als Gastautor*innen im Juni:
Felix Löwenstein ist Biolandwirt, Autor und in der Bioszene in einigen wichtigen Positionen. Mit seinem Buch „Food Crash – wir werden uns ökologisch ernähren oder nicht mehr“ ist er vor allem vielen konventionellen Landwirten auf die Füße getreten, während er für viele ökologisch denkende Menschen ein Standardwerk geschaffen hat.
Sarah Dhem ist Unternehmerin im Fleischbereich. Aus einem klassisch-niedersächsischen Fleischereibetrieb stammend hat sie sich mit „Kalieber Wurstversand“ selbstständig gemacht, den Absprung vom Preisdruck gewagt und setzt auf Qualität und Kommunikation ohne deswegen die konventionelle Wirtschaftsweise hinter sich lassen zu wollen. Unter anderem der „Aktivstall für Schweine“ ist dank der Zusammenarbeit mit ihrer Firma möglich.
Mona Knorr ist Crowdfunding-Beraterin und Gemeinschaftsaktivistin. Als Mitbegründerin einer SoLawi und Unterstützerin vieler Projekte im Ernährungsbereich ist ihre Spezialität der direkte Kontakt zwischen Produzent*innen und Kund*innen und das Herausarbeiten der Möglichkeiten die durch diesen entstehen. Darüber schreibt sie auf ihrem Blog Communitysupported.org
Sophia Hoffmann beschreibt sich in ihrer Emailsignatur als „Köchin/Autorin“. Unterschlagen darf man nicht den unkonventionellen und ganzheitlichen veganen Hintergrund ihrer Küche, den roten Zero Waste-Faden in ihren Büchern und den unbedingten Einsatz für Feminismus und Menschlichkeit. Hanna Dampf in allen Gassen sozusagen.
Sebastian Junge ist Koch und Slow-Food-Aktivist aus Hamburg. Er betreibt das „Wolfs Junge“ in Uhlenhorst, ein Bio-Restaurant mit dem Motto „Landgemacht und Handgemacht“ und dem selbsterklärt konsequentest-biologischen Ansatz der Stadt inklusive enger Zusammenarbeit mit Biobetrieben aus der Umgebung und eigenem Garten vor den Toren der Stadt.
Sönke Hauschild ist der Mann hinter der oft provokanten Öffentlichkeitsarbeit der Bauernverbandes Schleswig-Holsteins, den ich mal in einem Blogtext als „Anti-PETA“ beschrieben habe. In der Geschäftsstelle des BVSH ist seine Stelle zwar im Bereich Agrarstrukturen, Schweine und Fördermaßnahmen, in der landwirtschaftlichen Meinungsäußerung im Internet erfüllt er aber eine der zentralsten Positionen.
Vincent Fricke ist Koch, Nose-To-Tail- und Futurefoods-Aktivist. Was heißt das? Im Grunde, dass er sich für keinen Blick über den Tellerrand hinaus zu schade ist. Verfolgt man Vinces Arbeit ein bisschen, wird man immer wieder auch auf die eigenen Komfortzonen gestoßen, die man selbst nicht angerührt hätte.
Anet Spengler Neff ist die Frau hinter einigen der bedeutendsten Projekte für eine artgemäße Nutztierhaltung in Europa. Vom FiBL in der Schweiz aus koordiniert und forscht sie zu praktischen und theoretischen Fragen der modernen Ökolandwirtschaft.
Lisa Nilles ist als „Fit im Obstbaumschnitt“ eine flippige Bloggerin, Podcasterin und Obstliebhaberin und immer in der Lage, nett, freundlich und brutal wissenschaftlich fundiert zu antworten wenn jemand glaubt, auf Facebook ein kleines Ökospinnerchen aushebeln zu können.
Willi Kremer-Schillings hat als „Bauer Willi“ mehr oder weniger das Agrarbloggen erfunden. Zumindest hat er es in meinen Fokus gebracht. Er verbindet auf seinem Blog einen offenen Geist und die Bereitschaft, sich andere Positionen anzuhören, mit starken, eigenen Positionen, die landwirtschaftsintern wie -extern gerne mal anecken.
Linus Keutzer ist Gärtner – seit kurzem. Über seinen Weg, hinaus aus dem „klassischen Berufsleben“ und vor allem hinein ins Marketgardening mit Gemüseabo berichtet er auf seiner Website und seinen Social-Media-Kanälen, wo er versucht, die Informationen aufzubereiten, die ihm selbst vielleicht ein bisschen gefehlt haben.
Christian Suhr habe ich um einen Beitrag für die Reihe gebeten, weil er einer der aktivsten und diskussionsfreudigsten Menschen auf Facebook ist, die ich bisher so erlebt habe. Ob zu Politik, Landwirtschaft und Gesellschaft: er äußert sich fundiert und lösungsorientiert in den Kommentaren, ohne aber eine ordentliche Portion Kante mit in die Diskussion zu bringen.
Nathalie Vogt ist Schweizerin und Aussteigerin. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie vor einem halben Jahr in die Normandie gezogen, wo sie sich versuchen nachhaltig und achtsam zu ernähren und durch das Beschäftigen mit dem eigenen Gemüseanbau ein neues Verhältnis zu ihren Lebensmitteln entwickeln.
Anne Webert ist ungefähr alles im Journalistisch-Schriftstellerischem Bereich. Das klingt zu Unrecht wahllos, sie macht das nämlich alles verdammt gründlich: Autorin, Bloggerin, Fernsehjournalistin mit Jahrzehnten Erfahrung und am Ende des Tages einfach eine Genießerin mit einem Faible für nachhaltige Produkte und dem Gespür für die wichtigen Details für die Geschichten dazu.
Michael Reber ist einer der unkonventionellsten konventionellen Landwirte. Nicht von ungefähr ist seine Internetdomain innovativeLandwirtschaft.de: undogmatisch und ohne die virtuelle aber in den Köpfen oft betonierte Grenze zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft zu akzeptieren, entwickelt er bei Schwäbisch Hall seine eigene Form des Ackerbaus.
Die Geschichte fängt schon ein bisschen früher an. Irgendwann im Winter hatte ich einen Geistesblitz. Ich hatte mich für mein Hofhuhn-Projekt gerade auf die Rheinländer Hühner als perfekte Rasse für meine naturnahe Hühnerhaltung eingeschossen. Als ich ein bisschen in der Geschichte der Rasse herum las, stolperte ich immer wieder über „Elsässer Hühner“, die der Erzüchter des Rheinländer Huhnes vor etwa 100 Jahren in Bauernhofhühner aus der Eifel einkreuzte. Wochen, in denen ich immer wieder durch die verschiedenen Rasseportraits zu den Rheinländern durchlas und wenig neues lernte (die Texte sind mehr oder weniger Plagiate voneinander), kam ich auf die Idee, einfach mal nach den Elsässer Hühnern zu suchen. Weil die Erzüchtung der Rheinländer ja schon vor über hundert Jahren stattgefunden hatte, war ich nicht auf die Idee gekommen, dass es überhaupt Elsässer Hühner als organisiert gezüchtete Rasse gäbe. Wenn man sich irgendwann genug im Kreis gedreht hat, hält man sich irgendwann dann aber an jedem Strohhalm fest. Und das war ein guter. Elsässer Huhn, oder – so viel gab mein Schulfranzösisch noch her: Poule d’Alsace.Was ich fand war das folgende Video:
Drei Männer haben sich bereits 2008 zusammengefunden, um das Elsässer Huhn nicht nur zu erhalten, sondern sogar zu einer lokalen Spezialität zu entwickeln. Ähnlich dem Bressehuhn in der, nun ja, Bresse. So wie das Bressehuhn durch seine blauen Beine, das weiße Federkleid und den roten Kamm die französischen Nationalfarben in sich trägt, so vertritt auch das Elsässer Huhn mit den weißen Ohrscheiben und dem roten Kamm die Farben der Region. Ich begann nach den Herren zu suchen. Das Problem war, dass das Video schon ein paar Jahre alt war und die Herren nicht besonders Internetaffin. Außerdem konnte ich nicht viel darüber herausfinden, ob das Projekt überhaupt noch existiert. Einen nach dem anderen suchte ich online, bis ich schließlich bei Gilbert Schmitt fündig wurde: er betreibt die eingangs erwähnte Ferme Schmitt. Einen Geflügelhof, der sich auf Enten und Gänse spezialisiert hat. So genau schaute ich mir nicht an, was sie machten, als ich am 15. Februar die erste Nachricht an die Facebookseite schrieb. Die Antwort kam prompt: Gilbert wird sich bei mir melden. Zwei Wochen später war es dann auch so weit; er meldete sich. Trotz der fürs Internetzeitalter langen Funkstille zeigte er sich hocherfreut und sehr interessiert an einem Austausch. Ab dem Zeitpunkt war klar: ich werde versuchen ihn in Frankreich zu besuchen, weswegen sich der Austausch das nächste Dreivierteljahr nur auf die Terminfindung beschränkte. Das heißt: nur wenig neue Informationen über das Projekt mit den Elsässer Hühnern. Worüber ich aber über die Facebookseite viel herausfand, waren die anderen Produkte der Ferme Schmitt: die tollen Elsässer Patés und Gebäckstücke im Blätterteigmantel. Was mir dem Besuch gegenüber etwas gemischte Gefühle machte, war die berühmteste Spezialität des Hauses: Stopfleber. In Foodiekreisen (im Gegensatz zu den Gourmetkreisen) in Deutschland wahrscheinlich eines der einhelligst verurteilten Produkte. Mein Wunsch ist aber meistens, meine Meinungen gut fundiert zu bilden, deswegen wappnete ich mich für einen Gesprächsexkurs über Stopfleber.
Die Terminfindung zog und zog sich allerdings. Immer wieder konnten Vorschläge von einer Seite nicht bedient werden. Anfangs war ich noch in Norddeutschland und nur kurz und in einem ungünstigen Zeitfenster zu Besuch im, Frankreich näher gelegenen Südwesten. Mal hatte ich selbst Besuch von hühnerinteressierten Menschen, mal war in Frankreich die Hölle los. Schlussendlich, nach Monaten des Überlegens und nicht-Aufgebens konnten wir einen Termin finden: den 17. Oktober.
Weil ich ja selbst schon lange hinter die Internetauftritte von Höfen und Geschäften schaue, gab ich nicht allzu viel auf die tollen Fotos der Facebookseite. Vor allem der Gedanke ans Entenstopfen machte mich etwas nervös. Meine Erfahrung in der Vergangenheit war allerdings schon häufiger, dass sich stark stigmatisierte Haltungssysteme für mich oft ein wenig relativierten, wenn ich mich mit den Verantwortlichen in den Ställen bewegte. Für Stopfleber hatte ich aber trotzdem wenig Verständnis. Ähnlich wie verfettete Ortolane, Bressehühner, die nach Monaten der Freiheit im Dunkeln zu Ende gemästet werden, oder andere Produkte für die Tiere unwürdig gehalten werden. Ich kann mir ein Leben ohne diese Produkte eigentlich ganz gut vorstellen. Es ist nur tatsächlich ein Thema, dass mir immer wieder begegnet und mir zeigt, dass man Menschen immer offen begegnen muss: wir sind allesamt komplexer als wir das gerne hätten.
Mein Besuch in Frankreich war wunderschön und ich habe mich von Gilbert und seinen Mitarbeiter*innen unglaublich gut und herzlich aufgenommen gefühlt. Gleichzeitig habe ich aber auch etwas Zahnschmerzen beim Thema Stopfleber, weswegen ich im Vorfeld des eigentlichen Textes über meinen Besuch in Bischoffsheim diesen Konflikt etablieren wollte. Eine kleine Info als Vorweggriff auf den kommenden Bericht: ich werde auf jeden Fall wieder nach Frankreich fahren. Im Frühjahr startet Gilbert einen zweiten kleinen Betrieb; Bio-, eventuell sogar Demeter-Zertifiziert. In Frankreich, wo die Menschen nicht alleine auf Siegel, sondern auf Produktqualität achten, kein kleiner Schritt für einen Betrieb, der auch konventionell geführt alle Produkte verkaufen kann.
Ingmar Favoriten, Podcast, Uncategorized
So fand ich, dass die Niedersachsen einfach Swag haben, cool sind. Zumindest die, die ich aus dem westlichen Niedersachsen kennen gelernt habe; Osnabrücker Land, Oldenburg, Emsland. Die Norddeutschen haben ein großes Selbstbewusstsein und wissen genau was ihnen zusteht. Die Schweden waren tendenziell freundlich aber auch oft ein bisschen oberflächlich und die Hunsrücker und Saarländer, mit denen ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin, haben etwas ungemein pragmatisches. Sie haben oft nicht viel, aber es geht ihnen damit trotzdem genau so gut wie allen anderen.
Blick ins Gemüseregal
Hat man es aber bis zu dem kleinen Lädchen geschafft, lösen sich die meisten der zugegebenermaßen etwas zwiespältigen Eindrücke des Weges dorthin in Wohlgefallen auf. Der Stadtteil lebt hinter den tristen Fassaden. Wir sind eine halbe Stunde vor Ladenschluss um 13 Uhr aufgeschlagen, um uns mit Claudia Maurer zu unterhalten, bevor wir noch einen Abstecher zu den Hühnern machen wollten. Der kleine Laden war sehr bunt bestückt. Sie erzählte, wie sich die ursprüngliche Idee von regional und saisonal, eigentlich auch ganz gerne Bio, immer weiter in Richtung eines Tante-Emma-Hofladens entwickelte. Schwungrad der letzen Jahre waren die Hühner. Meinen kritischen Punkten über die Mobilställe, denen der Besuch ja zu verdanken war, habe ich einschränkend vorangestellt, in welchen Fällen eine mobile Hühnerhaltung super passt:
Wenn zum Beispiel kein vernünftiges Stallgebäude mit Auslaufanbindung verfügbar ist, nicht gebaut werden darf, die Tiere gar nicht direkt am Hof stehen sollen, oder auch nur eine schnelle, einfache und überschaubare Lösung für eine Herde Legehennen gefunden werden soll, ist das Hühnermobil die perfekte Lösung.
Blick in die Fleischtheke
Gegenüber des Ladens, der auch ein Friseur, ein Metzger oder ein Radio-TV-Hifi-Händler hätte sein können, steht ein Eierautomat. So ähnlich wie ein Getränkeautomat am Bahnhof, nur ohne runterfallen der Waren und halt für Eier. Im Laden stehen links in der Ecke Eierhorden aus Plastik, in die sich die Kunden selbst ihre Eier in 10er oder 6er-Kartons packen können. Der Rest des Ladens ist eine Mischung aus Geschenkelädchen mit Fleischtheke, einer kleinen Bibliothek, Nudelmanufaktur und Gemüsehändler. Vielseitig aber nicht wahllos. In Bio finden sich nur Zitronen, dafür aber ein paar einfache Fertiggerichte, ein bisschen Wein, ein paar günstige Säfte, Süßigkeiten, Sauerkonserven und Likör. Tante Emma trifft seine Kunden 2018 – und auch wir sind ein paar von ihnen begegnet.
Nicht nur hinter der Theke aktiv: Claudia Maurer
Vielleicht unterschätzt man Güdingen aber auch. Vor allem unterschätzt man aber auch leicht Claudia Maurer. In dem ganzen Gespräch über die Herausforderungen, die es mit sich bringt, den ganz eigenen Hofladen zu etablieren, ist die Landwirtschaft im Gespräch ganz in den Hintergrund gerückt. Nebenbei bewirtschaftet sie mit ihrem Mann nämlich noch einen 60-Hektar-Betrieb. Nicht, wie man jetzt vielleicht denkt, „an der Seite ihres Mannes“, zuarbeitenderweise, sondern als Schwungrad, Hand und Hirn des Betriebes. Die Hühner, die wir nach einem kleinen Einkauf nach Ladenschluss besucht haben, stehen nicht am Hof, sondern ein paar hundert Meter den Berg hoch. Dort oben, zwischen Reihen von Streuobstbäumen liegen handtuchgroße Flecken von Acker- und Grünland und man sieht mehr und mehr von dem, was Gündingen auf den ersten Blick nicht hat zeigen wollen: es ist wirklich hübsch hier. Es ist das Gassigeh-Gebiet der suburbanen Saarbrücker Schickeria, die an den Hängen über der Saar ihre Häuser hat und ihren Hunden den Auslauf dort gewährt, wo die Flurbereinigung nie einen Fuß hingesetzt hat. Manchmal sind es keine 15 Meter Acker von Baumreihe zu Baumreihe. Das Wintergetreide auf dem Streifen ist aber gesät und hinter der nächsten Reihe Apfelbäume stehen die zwei Weiland-Mobile. Das Bild kennt inzwischen fast jeder und auch hier sind es die etwas ruhigeren und widerstandsfähigeren braunen Lohmann-Hybriden, die dankbar sind, dass ihnen zwei Rundballen Stroh in den durchgeweichten Auslauf gestellt wurden. Die Gassigeher mussten sich vor ein paar Jahren erstmal wieder daran gewöhnen, dass in ihrem Naherholungsgebiet wieder tagtäglich Landwirtschaft mit Traktor und Elektrozäunen stattfindet, sie haben wohl aber Gefallen daran gefunden. Jedenfalls wurden wir freundlich gegrüßt, als wir im schneidenden Wind und beginnenden Schneefall bei den Hühnern standen.
Die drei Downloads auf der verlinkten Seite ersetzen im Grunde jedes Hühnerbuch. Sie und dann noch eine Woche Internetrecherche welche Hühnerrasse am besten zu dir passt und Du bist gewappnet. Wirklich, ich bin fassungslos, wie viel Qualität die Unterlagen haben und vor allem sind das Fachleute, die mit professionellen Betrieben aus ökologischer und konventioneller Eierproduktion zusammengearbeitet haben. Die Wucht an Fachwissen dahinter und die Praxisnähe sind unfassbar.
Jeder Hobbyhalter hat durch den Download der Basiswissen-PDF die Möglichkeit eine Menge hinzuzulernen und die Beurteilungskarten helfen bei der praktischen Umsetzung im Hühnerstall.
Ich weiß, es klingt so, als ob ich jetzt als nächstes schreiben würde „nur hier die E-Mail-Adresse eintragen und schon bekommst du die Dateien“, aber nein. Nur hier den Link anklicken und die Dateien in der rechten Seitenspalte herunterladen. Ich finde mal noch heraus, wie man an die Ringbinder kommt, die mit abwaschbaren Blättern daherkommen.
https://www.mud-tierschutz.de/beratungsinitiativen/etablierung-eines-managementtools-bei-legehennen/
Die die mich kennen wissen, dass ich einige Zeit in Schweden gelebt habe. Ich werde da auf jeden Fall noch ein bisschen was zu schreiben.
Gerade habe ich aber gesehen, dass es in der schwedischen Zeitung „nt“ einen Bericht über meinen ehemaligen Chef und die Insel gibt, auf der ich ein halbes Jahr gearbeitet habe. In dem Bericht gibt es sehr viele sehr schöne Bilder, die absolut anschauenswert sind. Ich gehe mal nicht davon aus, dass die meisten Besucher hier viel Schwedisch verstehen, mein Browser hat aber die Option angeboten den Artikel zu übersetzen, ich habe es nicht ausprobiert, aber vielleicht möchte das ja wer tun.
Die Bilder sind wirklich, wirklich schön!
http://www.nt.se/nyheter/finspang/tiseno-en-bebodd-parla-i-tisnaren-om4800195.aspx
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